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 Gewaltspiele und Jugendschutz

Einige Gedanken zum Thema Gewaltspiele, Verrohung und Jugendschutz, sowie die Pharisäer die dauernd auf dem Thema herumreiten.

Heidewitzka, Franz postet in der Wüdsau-Kategorie... Ja, weil langsam gehen mir die Pharisäer auf die Nerven. Dieses heuchlerische Geschwafel von wegen Jugendschutz und Gewaltspiele ist beinahe schon so entnervend wie diese Diskussionen um Internetsperren, Streetview und Kellerkinder.

Es ist wohl eindeutig: Uns geht es zu gut, der Mensch ist zu frei, wir brauchen uns keine wirklichen Gedanken darüber machen, was für uns essentiell ist und welche sogenannten "Gefahren" wir getrost vernachlässigen können. Da wird Militär in irgendwelche Regionen auf der Welt geschickt, von denen die meisten garnicht wissen, daß es sie gibt. (Ok, wir nutzen die Ressourcen dieser Länder, damit wir selber an Gewicht zulegen können, das wir dann wieder im Fitnesstudio runterhanteln können... aber sonst... kA). Und dann heissts wieder Pazifismus, der große Weltfrieden
- ach wie sind wir doch zivilisiert!

Irgendwelche selbsternannten "Wildhüter" dürfen immer noch harmlose Füchse abknallen und im Vorfeld Wetten darüber abschließen, wie oft sich das getroffene Tier überschlägt, bevor es sich tödlich verletzt ins Gebüch schleppt um dort elendiglich zu verrecken. Aber einem virtuellen Humanoiden mit einer virtuellen Kalaschnikow den Schädel wegzupusten, das verdirbt uns unsere Kinder oder wie?

Ja sicher doch... Klaro.

Mein Vater hat in seiner Kindheit Steinblöcke mit selbstgebastelten Bomben in die Luft gesprengt, und wenn die Jugendlichen von zwei Stadtteilen Zoff hatten, gabs eine zünftige Massenschlägerei mit blauen Augen und der einen oder anderen Platzwunde. Zu meiner Zeit wurde wenigstens noch gerangelt, und wenn wir allzusehr geladen waren, wurde eine Partie Wolfenstein oder Doom angerissen, wo man sich an Monstern, Zombies, Nazis und Nazi-Zombie-Monster Hybriden mit gepanzerten Kampfanzügen für die Ungerechtigkeiten des Alltags rächen konnte.

Das geile daran ist, auch wenn wir virtuelle Menschen mit der Minigun säuberlich in zwei Teile geschnitten haben, im Alltag wurde niemand ernsthaft verletzt. Sogar heute noch verwende ich eine Reihe von sehr realistischen Gewaltspielen, um den Frust, der sich in meiner doch eher feurigen Persönlichkeit tagsüber aufstaut, an virtuellen Hochelfen auszulassen. Schädel ab mit dem Katana (das ist irgendwie ...persönlicher als Fernwaffen) und dann mit einem Amargeddonzauber die Leiche 300 Meter in die Luft gepustet und gespannt gewartet, welchem Wachmann sie auf den Kopf fällt, während im Hintergrund irgendeine Hardcore-Deathmetalband die liebliche Musikuntermalung liefert.
Mein Psychiater meint dazu, das sei auch der einzige Grund warum ich nicht jedem dritten hergelaufenen Alltagsdeppen das Nasenbein ins Hirn schiebe, sondern genug innere Ruhe besitze, um trotz überbevölkerungsinduzierter Misanthropie jeden sich anbahnenden Konflikt mit humorvoller Diplomatie zu lösen. Wie wir es eigentlich von Wicki gelernt haben, richtig?

Der Mensch besitzt naturgemäß gewalttätige Neigungen, manche stärker, manche schwächer. Aber sie sind da. Und wenn sie blockiert werden, freakt der Mensch irgendwann aus. Welche bessere Methode als Computerspiele sind in unserer Zeit vorstellbar? Also mir fällt auf die Schnelle keine ein, vielleicht ein Drumkit oder Boxsack ins Wohnzimmer, aber nein, dann ist man selbst vielleicht nach den Trainingsstunden frei von Aggression, aber der Nachbar geht raus und heizt die Passanten um. Bumm.

Sport wäre, zugegeben, eine gute Alternative. Ich meine selbst Sport betreiben, nicht vor der Glotze 22 erwachsenen Menschen zuzuschauen wie sie einem aufgeblasenen Schweinsleder nachrennen und dabei Chips in sich reinzustopfen.

Oder moment mal, gehts nicht im Grunde darum, daß der Amoklauf von Winnenden (hieß doch so?) eine gewisse Sensibilisierung (Verängstigung? Medieninduzierte Panikmache?) der Öffentlichkeit zur Folge hatte? Eine Sensibilisierung, die den perfekten Nährboden für mittelmäßige Diplompsychologen und populistische Politiker bietet, um sich mit Forderungen ohne sauber erforschte Hintergründe ins Licht der Öffentlichkeit zu drängen? An einen Platz, den sie durch Einsatz ihrer eigenen, gehirnkapazitätsdefinierten Ressourcen niemals erreicht hätten?

Unterschwellige Angst war schon immer das effizienteste Mittel, um die Massen zu kontrollieren. Das wussten sämtliche Politiker seit Julius Cäsar, und das letzte Mal als die Existenzängste politisch genutzt wurden... Wir wissen, was passiert ist und wir knabbern 72 Jahre danach immer noch dran. Aber das wollen wir jetzt nicht nochmal aufrollen, das dürfen wir nämlich schön langsam den Historikern überlassen.
Also back2topic:

Sauber Leute, nehmt unseren Kindern ruhig alle Möglichkeiten, ihre "dunkle Seite" kennenzulernen, bis sie sie total vergessen haben. Und wenn die Finsternis eines Tages, vielleicht in der Pubertät wenn die ganze Welt sich verschworen zu haben scheint, ans Tageslicht tritt... Dann stehen sie vor einem Gegner den sie nicht im Ansatz verstehen, geschweige denn bezwingen können. Und dann wird es noch mehr Amokläufe durch frustrierte Jugendliche geben, noch mehr Sanktionen durch Möchtegern-Celebrities und am Ende brauchen wir uns keine Sorgen um Gewaltspiele mehr zu machen, weil die brennenden Nazizombies von ganz alleine mit der Panzerfaust an unsere Haustüren klopfen.

Ich für meinen Teil bin jetzt auf 360 und brauche mindestens 15 Minuten uncensored Crackdown II mit Forlorn Skies als Hintergrundmusik. Weil in einer Stunde muss ich zur Arbeit und ich will auch den unangenehmeren Kunden mit einem entspannten Lächeln gegenübertreten können.

"Gewaltspiele und Jugendschutz" aus der Kategorie "Wüdsau"
verfasst/geändert: 2010-07-05 16:55:12 von Avanova

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